eHealth
Monitor 2021

Deutschlands Weg in die digitale
Gesundheitsversorgung –
Status quo und Perspektiven

Wie steht es um die Digitalisierung unseres Gesundheitswesens? Wo liegt Deutschland vorn, wo besteht Nachholbedarf?

Wie steht es um die Digitalisierung unseres Gesundheitswesens? Wo liegt Deutschland vorn, wo besteht Nachholbedarf?

Antworten liefert der neue eHealth Monitor von McKinsey. Seit 2020 misst er den digitalen Fortschritt unseres Gesundheitssystems – vom Digitalisierungsgrad deutscher Krankenhäuser und Arztpraxen bis zur Akzeptanz und den Nutzeneffekten von eHealth-Lösungen auch für Patienten.

Corona wirkt wie ein Katalysator auf den Digitalisierungsprozess.

Allein die Nutzung von Telemedizin stieg um den Faktor 900. Auch auf gesetzlicher und technologischer Ebene hat sich viel getan, um den Weg freizumachen für digitale Meilensteine wie ePA und eRezept. Dafür tickt das System an vielen Stellen noch weitgehend analog, etwa beim Datenaustausch zwischen ambulanten und stationären Einrichtungen

Deutschland bleibt Vorreiter bei der Zulas­sung und Erstattung von digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA)

Zu den regulatorischen Erfolgsstories wiederum zählt das Prüfverfahren für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA). Ihnen widmet der eHealth Monitor einen eigenen Schwerpunkt, der auch der Frage nachgeht, warum DiGA bislang so wenig verordnet und heruntergeladen werden.

Mehrdimensionale Sicht auf das Thema eHealth in Deutschland

Ergänzend zu den Analysen vermitteln zahlreiche Gastbeiträge eine mehrdimensionale Sicht auf das Thema eHealth in Deutschland, auf die vielfältigen Chancen, aber auch auf die Herausforderungen, die mit dem digitalen Wandel verbunden sind. Zu Wort kommen Institutionen wie die gematik, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), die Robert Bosch Stiftung, das Bundesministerium für Gesundheit, der Bundesverband Managed Care, außerdem Anbieter von eHealth-Lösungen sowie Ärzte und Patienten.

Zentrale Ergebnisse

Gesetzliche Rahmenbedingungen:

Mit der Einführung von ePA und eRezept hat Deutschland sein eHealth-Fundament aus­gebaut und verkürzt damit den Abstand zu den aktuellen europäischen eHealth-Vor­reitern Skandinavien und Vereinigtes König­reich. Dazu beigetragen haben insgesamt

7

eHealth-fokussierte Gesetze wurden zwischen 2019 und 2021 auf den Weg gebracht. Mit der Einführung von ePA und eRezept hat Deutschland sein eHealth-Fundament aus­gebaut und verkürzt damit den Abstand zu den aktuellen europäischen eHealth-Vor­reitern Skandinavien und Vereinigtes König­reich.

Digitale Infrastruktur

80 %

der Praxen hausärztlicher Versorgung sind nach den jüngsten Erhebungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV Praxis Barometer Digitalisierung 2020) mittlerweile an die Telematikinfrastruktur angeschlossen. Jüngere niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten unter 50 Jahren sowie mittelgroße bis große Praxen weisen überdurchschnittliche Anschlussraten auf.

95 %

der Kommunikation zwischen ambulanten Ärzten und Krankenhäusern erfolgt immer noch in Papierform (93% im Vorjahr). Die Finanzspritze im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes in Höhe von 4,3 Mrd. EUR soll hier Abhilfe schaffen: Die Fördergelder sollen die überfällige Digitalisierung deutscher Kliniken beschleunigen.

Digitales Angebot

um

+18 %

wächst (im Vorjahresvergleich) das Angebot an digitalen Services bei den ambulanten Ärzten.

46 %

der Kommunikation zwischen ambulanten Ärzten und Krankenhäusern erfolgt immer noch in Papierform (93% im Vorjahr). Die Finanzspritze im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes in Höhe von 4,3 Mrd. EUR soll hier Abhilfe schaffen: Die Fördergelder sollen die überfällige Digitalisierung deutscher Kliniken beschleunigen.

um Faktor

900

steigen die digitalen Arzt-Patient-Gespräche. Ambulante Videosprechstunden haben einen regelrechten Boom erlebt: Von weniger als 3.000 digitalen Arzt-Patient-Gesprächen vor COVID-19 im Jahr 2019, auf 2,67 Millionen in 2020

Im Pandemiejahr 2020 wurden 2,67 Mio. Videosprechstunden durchgeführt – 2019 waren es noch weniger als 3.000

13 %

der Versicherten bei den 20 größten GKVen haben die App „Online-Geschäftsstelle“ ihrer Kasse heruntergeladen.

nur

0,4 %

der Versicherten haben ein halbes Jahr nach der Einführung der ePA ihre digitale Patientenakte heruntergeladen (Zahlen der Top-20-GKVen).

Nutzung und Nachfrage

55 %

der Deutschen zeigen sich in Umfragen ggü. digitalen Gesundheitsangeboten gegenüber aufgeschlossen, doch es fehlt den Befragten an Information und Aufklärung über die digitalen Angebote (Digitale Gesundheitskompetenz).

40 %

der Versicherten hatten Ende 2020 hatten noch nie etwas von der ePA gehört, deren erste Ausbaustufe im Januar 2021 an den Start ging.

2,5 Mio

Downloads von Gesundheits-Apps wurden zwischen Herbst 2019 und Sommer 2021 gezählt. Damit hat sich die Zahl der App-Downloads verdoppelt. Am beliebtesten: die Online-Terminvereinbarung.

fast +

1000 %

Downloads von Gesundheits-Apps wurden zwischen Herbst 2019 und Sommer 2021 gezählt. Damit hat sich die Zahl der App-Downloads verdoppelt. Am beliebtesten: die Online-Terminvereinbarung.

Gesundheits-Apps verzeichneten mit 2,4 Millionen Downloads zuletzt einen neuen Höchststand –mit der ePA als wichtigem Treiber

Downloads der Top-40-Apps je Kategorie seit Q1/2018 (in Tsd.)

19

DiGA wurden bis Juli 2021 in das DiGA-Verzeichnis des BfArM aufgenommen, allerdings stockt die Skalierung noch

200000

Downloads der insg. neun DiGA, die als App-Anwendung zur Verfügung stehen, wurden seit ihrer Zulassung bis zum 31. Juli 2021 gezählt. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 wurden laut Wissenschaftlichem Institut der AOK 685 Mio. Fertigarzneimittel verordnet.

51 %

der insges. 88 DiGA-Anträge scheiterten an den Aufnahmekriterien der Zertifizierung oder zogen ihren Antrag zurück.

Evidenz für eHealth

Faktor

6

beträgt die Steigerung der Zahl deutscher Forschungspublikationen zur Evidenz von eHealth-Lösungen im letzten Jahrzehnt (von 20 auf 116 im Jahr 2020). Dennoch sind es in Summe nur halb so viele wie bei Vorreiter Großbritannien.

84 %

der Analysen weisen einen positiven Nutzeneffekt der digitalen Anwendungen nach – allein drei Viertel davon einen ver­besserten Gesundheitsstatus der Patien­ten. 10% der Studien belegen höhere Kosteneffizienz, 14% eine Zeitersparnis für Ärzte.

80

positive Studien

Drei Viertel der Publikationen mit positivem Nutzeneffekt belegen eine gesundheitliche Verbesserung bei Patient:innen

Anzahl deutscher eHealth-Publikationen mit positivem Nutzeneffekt, 2018–2020

Die Zahl der jährlichen eHealth-Publikationen hat sich seit 2010 in Deutschland versechsfacht.

2/3

der Apotheken sind auf das eRezept vorbereitet, aber ein Großteil der Menschen in Deutschland noch nicht.

48 %

der Gesundheitseinrichtungen sehen die größten Herausforderungen der Digitalisierung in der Finanzierung, gefolgt von IT-Sicherheit und Daten­schutz (43%).

10 %

der Ärzte erwarten von der Digitalisierung eine Verbesserung der Patientenbeziehung.

11 %

der Deutschen finden die von ihnen genutzten Gesundheits-Apps über ihren Arzt.

Pressestimmen

Digitalisierung des Gesundheitssystems nimmt Fahrt auf:
Die Coronakrise hat die Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland vorangetrieben – aber vielen Ärzten, Krankenhäusern und anderen Beteiligten fällt der Abschied von Fax und Papier noch schwer. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des Beratungsunternehmens McKinsey, …

ZEIT ONLINE, 18. November 2021

DiGA top, Gesundheitskompetenz flop:
Der „eHealth Monitor“ des Beratungsunternehmen McKinsey … Stellt Deutschland Weg in ein digitales Gesundheitssystem ein durchwachsendes Zeugnis aus…

Ärztezeitung, 18. November 2021

Große Sprünge, kleine Schritte: eHealth in Deutschland gewinnt an Dynamik:
Unternehmensberatung liefert jährlich einen regelmäßigen Überblick über die Fortschritte der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen,…

KU Gesundheitsmanagement, 23. November 2021

Deutsches Gesundheitswesen steht bei Digitalisierung noch am Anfang
… Bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens arbeitet Deutschland immer noch an den Grundlagen. Vor allem im Austausch zwischen Ärzten und anderen Gesundheitseinrichtungen gebe es dringenden Nachholbedarf, erklärten die Autoren des ersten E-Health-Monitors

Deutsches Ärzteblatt online, 12. November 2021

Stimmen aus dem Werk

Dr. Bernadette Klapper

„Gute Rahmenbedingungen sind erforderlich, damit ein verantwortungsvoller Umgang mit Gesundheitsdaten gelingt.“

Dr. Bernadette Klapper

„Die gematik will mit ihrer Arbeit den medizinischen Versorgungsalltag in Deutschland spürbar verbessern.“

Dr. med. Markus Leyck Dieken

Dr. med. Markus Leyck Dieken
Dr. med. Markus Leyck Dieken

„Die gematik will mit ihrer Arbeit den medizinischen Versorgungsalltag in Deutschland spürbar verbessern.“

Dr. med. Markus Leyck Dieken

Prof. Dr. Volker Amelung
Johanna Nüsken
Melina Ledeganck

„Digitale Kommunikation mag in den DiGA-Schmieden selbstverständlich sein – in vielen Arztpraxen ist sie es noch nicht.“

Prof. Dr. Volker Amelung, Johanna Nüsken und Melina Ledeganck

„Die DiGA sind ein Erfolg“

Prof. Dr. med. Karl Broich

Prof. Dr. med. Karl Broich
Prof. Dr. med. Karl Broich

„Die DiGA sind ein Erfolg“

Prof. Dr. med. Karl Broich

Dr. Gottfried Ludewig

 „Wir haben gelernt, dass es möglich ist, das Tempo zu erhöhen und Fortschritte zu erzielen.“

Dr. Gottfried Ludewig

Die Autor:innen

Prof. Dr. Volker Amelung

Bundesverband Managed Care e.V.

Gandolf Finke

Mika

Dr. Markus Leyck Dieken

gematik

Friedrich Sarrazin

McKinsey & Company

Andreas Arntzen

Wort & Bild Verlag

Julian Frings

McKinsey & Company

Dr. Gottfried Ludewig

Bundesministerium für Gesundheit

Dr. Wolfgang Schönig

Kanzlei Morrison & Foerster LLP

Dr. Dennis Ballwieser

Wort & Bild Verlag

Robert Grohmann

Kanzlei Morrison & Foerster LLP

Laura Maier

McKinsey & Company

Dr. Anja Schramm

AOK Bayern

Nora Blum

Selfapy

Petra Hoogendoorn

Leiden University Medical Center

Thomas Müller

McKinsey & Company

Dr. Tobias Silberzahn

McKinsey & Company

Yvonne Blum

Robert-Bosch-Krankenhaus

Dr. Johann Kempe

Wort & Bild Verlag

Johanna Nüsken

Bundesverband Managed Care e.V.

Prof. Dr. Sylvia Thun

Konsortium „Digital Health“

Carola Brinkmann-Saß

McKinsey & Company

Dr. Bernadette Klapper

Robert Bosch Stiftung

Dr. Thomas Pöppe

AOK Bayern

Marcel Weigand

Unabhängige Patientenberatung

Prof. Dr. Karl Broich

BfArM

Dr. Sebastian Krolop

HIMSS

Dr. Ulrich von Rath

Hausarztpraxis im Hafenhaus – Lehr- und Forschungspraxis des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein

Dr. Matthias Zuchowski

Robert-Bosch-Krankenhaus

Florian Dahlhausen

Universität Witten/Herdecke

Melina Ledeganck

Bundesverband Managed Care e.V.

Laura Richter

McKinsey & Company

Die Herausgeber:innen

McKinsey & Company

McKinsey & Company ist die deutschland- und weltweit führende strategische Unternehmensberatung. Im Gesundheitsbereich arbeitet McKinsey für eine Vielzahl von Pharma- und Medizingeräteherstellern, ebenso wie für gesetzliche und private Krankenversicherungen, Krankenhäuser, Ärzteverbände und staatliche Einrichtungen – zunehmend mit Fokus auf die Themenfelder Digitalisierung und Analytics sowie ganzheitliche E-HealthTransformation. Weltweit arbeiten mehr als 2.500 Berater im Gesundheitssektor von McKinsey, darunter mehr als 650 Ärzte und Wissenschaftler.

Laura Richter

Laura Richter

Laura Richter ist Partnerin bei McKinsey in Berlin. Sie hat Volkswirtschaftslehre in Oxford und London studiert, und einen MBA an der Harvard Business School absolviert. Laura Richter hat ihre Karriere dem Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen gewidmet. Hier arbeitet sie unter anderem mit Digital-Health-Unternehmen und unterstützt diese bei der Strategiedefinition. Zusätzlich arbeitet sie mit globalen Pharmaunternehmen und unterstützt diese bei der Gestaltung und Umsetzung digitaler Transformations- und Innovationsprogramme.

Tobias Silberzahn

Tobias Silberzahn

Tobias Silberzahn ist ausgebildeter Biochemiker und Immunologe und arbeitet als Partner im Berliner Büro von McKinsey. In seiner Arbeit dreht sich alles um das Thema „Gesundheits-Innovation“: Er arbeitet europaweit mit Digital-Health-Firmen, Pharma-, Medizintechnik-Firmen und Gesundheitsministerien. Tobias Silberzahn leitet das globale „Health Tech Network“ von McKinsey, ein Netzwerk von über 1000 Digital-Health-Firmen. Innerhalb von McKinsey leitet er ein präventives Gesundheitsprogramm, das die Themen Schlaf, Ernährung, Fitness und Stress Management abdeckt.

Informationen zum Buch

1. Auflage
Paperback, 165 mm x 240 mm
195 Seiten
42 farbige Abbildungen, 1 Tabellen
ISBN: 978-3-95466-656-0
erschienen: 17. November 2021
49,95€ [D]